Besigheim

Besigheim - Stich nach Matthias Merian um 1643

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Von Neckar und Enz umflossen, liegt Besigheim idyllisch umrahmt zwischen steil aufragenden terrassierten Weinbergen. Das heute so unvergleichlich malerisch wirkende Stadtbild, hatte ursprünglich unschätzbare militärstrategische Bedeutung. Der in beide Flüsse hineinragende Bergsporn, schützte den auf ihm liegenden Ort auf natürliche Weise gegen Angriffe. Obwohl der Ortsname Besigheim eine Entstehung in alemannisch-fränkischer Zeit nahelegt, fehlen bisher Hinweise auf ein Gräberfeld oder eine frühmittelalterliche Siedlung. 

Erst  im Jahr 1153 wird Besigheim erstmals urkundlich genannt.  Die von Kaiserin Agnes dem Kloster Erstein im Elsass vor 1062 übergebene "curtis Basincheim" wird in diesem Jahr von der Äbtissin Berta im Auftrag von Kaiser Friedrich Barbarossa an den Markgrafen Hermann von Baden weitergegeben. Der Kaiser festigte dadurch die Bindung eines wichtigen Lehensmannes an sich. Für diesen wiederum war Besigheim ein wichtiger Mosaikstein für den Ausbau seiner Herrschaft im mittleren Neckarraum.

Die Markgrafen von Baden erkannten bald die strategische Bedeutung der einzigartigen Besigheimer Topographie und bauten den Fronhof Besigheim um 1220 zu einer Festung mit zwei Burganlagen auf wenigen hundert Metern aus. Eine Anlage befand sich am südlichen Stadtausgang zur Sicherung der Bergseite mit Schochenturm und Steinhaus, eine weitere im Norden zur Kontrolle des Flussübergangs. Der Waldhornturm erinnert noch an dieses Ende des 17. Jahrhundert zerstörten und dann abgebrochenen "Untere Schloss".

Die Markgrafen gaben dem Ort wohl bald auch Markt- und Stadtrechte. 1277 wird Besigheim "Oppidum" genannt. Noch im 13. Jahrhundert wandten sich die Badener jedoch endgültig dem Oberrhein als ihrem künftigem Herrschaftsschwerpunkt zu und gaben ihren Besitztümer  im mittleren Neckarraum nach und nach auf. Einzig Besigheim behielten sie indes weiterhin in ihrer Hand, verwaltet von Ministerialen, die als Vögte das Schloss bewohnten (ab 1231).

Die Stadt entwickelte sich aufgrund des vor allem seit dem 15. Jahrhundert stark aufblühenden Weinbaus, des Handwerks und der Enzflößerei zu einem wichtigen wirtschaftlichen Gemeinwesen. Besigheim erhielt in dieser Zeit sein heutiges Gesicht. Die Stadtkirche (1383-1448) mit dem kostbaren Besigheimer Hochaltar (um 1520), das Rathaus (1459) und zahlreiche Bürgerhäuser sind architektonische Zeugnisse dieser Zeit und eines beginnenden wirtschaftlichen Aufschwungs  und Wohlstandes. Fast jedes Haus verfügt noch heute über einen Gewölbekeller zur Lagerung und den Ausbau des kostbaren Weines. Von einst drei Keltern zeugt die 1591 errichtete heutige Kelter von der Bedeutung dieses so wichtigen Wirtschaftszweigs. Sie wird nach umfangreichen Renovierungsarbeiten seit 1989 als Stadthalle genutzt.

Die herrschaftliche Bindung an das badische Markgrafengeschlecht begann nun zunehmend brüchig zu werden. 1463 mussten die Markgrafen die Stadt nach einem verlorenen Krieg an die Pfalz verpfänden.  1504 eroberte Herzog Ulrich von Württemberg die Stadt. Die Auslösung und Rückkehr von Besigheim nach Baden 1529 währte kaum zwei Generationen lang. 1595 erwarb Württemberg das Amt Besigheim nebst Hessigheim, Mundelsheim, Walheim und halb Löchgau durch Kauf mit einer gewaltigen Summe von fast 384.000 Gulden. (Ein Gulden hätte heute den Wert von ca. 16 Euro).

1556 wurde Besigheim evangelisch. Der Bauernkrieg (1525) und der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) mit seinen furchtbaren Begleiterscheinungen führten zu großer Not unter der Bevölkerung. Dazu kam noch die Pest, die zusammen mit vielen Hungertoten die Bevölkerung stark dezimierte. 

Auch später noch wurde die Stadt im Zuge der Pfälzischen Erbfolgekriege von 1688 und 1693 erneut von Krieg und Zerstörung heimgesucht. In diesen Kriegshandlungen wurde das Untere Schloss so stark beschädigt, dass es schließlich abgebrochen werden musste.

Im Zuge der Kommunalreform kam 1971 das ca. 5 km entfernte Ottmarsheim zu Besigheim. Heute ist Besigheim eine moderne Stadt mit einzigartigem historischen Flairs. Eine Stadt, in der Weinbau und Weingenuss noch immer eine hohe Bedeutung haben und in der es sich wunderbar leben lässt und stets einen Besuch Wert ist.

Die Infrastruktur hatte sich um die Jahrhundertwende nicht nur für die Gewerbebetriebe sondern auch für die Bürger nachhaltig verbessert. Seit 1897 wurde die Wasserversorgung in der Stadt
ausgebaut und ab 1901/02 gab es Strom und elektrisches Licht. Die Weltkriege überstand die Stadt ohne größere Schäden. Leider wurde aber die historische Enzbrücke noch in den letzten Kriegstagen von den deutschen Truppen gesprengt, was bis heute als großer Verlust für das einzigartige Besigheimer Stadtbild anzusehen ist.  

Der frühe Anschluss an die damals neue Eisenbahnlinie Stuttgart-Heilbronn im Jahre 1848, ließ westlich der Enz um den Bereich des Bahnhofs verschiedene Industrieansiedlungen entstehen. Bedeutendster Betrieb war hier die "Mechanische Trikotweberei" Mattes & Lutz, die 1872 in den ehemaligen Gebäude der alten Thurn- & Taxissehen Poststation Platz gefunden hatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde nach einem Großbrand auf der Neckarseite die Ölfabrikation der Bremen-Besigheimer Ölfabriken AG auf diese Stadtseite verlegt. Dieser Betrieb war ebenfalls ein wichtiger Arbeitgeber Ausgangs des Industriezeitalters. Die Fabrik wurde 1920 samt Elektrizitätswerk an die Farbenfabrik Gustav Siegle in Stuttgart verkauft. Heute fertigt dort die Firma BASF Farbpigmente für den weltweiten Handel.

1810 wurde Besigheim Oberamtsstadt, 1822 kam noch der Sitz des Amtsgerichts dazu. Besigheim wurde damit zum Verwaltungsmittelpunkt der ehemaligen Ämter Besigheim, Bietigheim, Bönnigheim und Lauffen. Das 1908 anstelle des „ Alten Schlosses" errichtete Oberamtsgebäude als Sitz des königl. Württ. Oberamtes, prägt das Ortsbild noch bis heute an der Ostseite der historishen Altstadt. Besigheim entwickelte sich im 19. Jahrhundert somit zunehmend zur Verwaltungsstadt. Auch als das Besigheimer Oberamt 1938 innnerhalb des neuen Landkreises Ludwigsburg aufging, blieb das Oberamtsgebäude Sitz zahlreicher staatlichen Ämter.

Die Vergrößerung Württembergs auf Kosten ehemaliger Reichsstädte und Klöster im Zuge der „napoleonischen Flurbereinigung" Anfang des 19. Jahrhundert, machte eine Verwaltungsreform notwendig. Bei der Zusammenlegung von ehemaligen Oberämtern zu neuen und größeren Einheiten, konnte sich Besigheim schlließlich gegen das benachbarte Bietigheim durchsetzen.

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regelmäßiger Anschluss an den Regionalverkehr Heilbronn-Stuttgart, Bahnhof Besigheim ist zentrumsnah (ca. 5 Min.)

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