Ottmarsheim

Ottmarsheim um 1685. Ansicht aus dem Forstlagerbuch von Andreas KieserQuelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H 107/14 Bd. 6 Bl. 12, Bild 1

Auf einer Hochfläche über dem tief eingeschnittenen Neckartal liegt geschützt in einer Talsenke, der von Äckern und Wiesen umgebene Besigheimer Teilort Ottmarsheim. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft erstreckt sich auf Mundelsheimer Gemarkung die Ottmarsheimer Höhe, die aufgrund ihrer exponierten topografischen Lage einen weiten Blick über das Neckartal bietet und einst von historischer Bedeutung war: Archäologischen Ausgrabungen und dendrochronologischen Untersuchungen zufolge, befand sich hier zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. eine römische Siedlung, zu deren bislang freigelegten Grabungsbefunden u.a. der Keller eines römischen Gutshofes und ein Mithrasheiligtum gehören.

Der Ortsname Ottmarsheim lässt sich mittels nachgewiesener Reihengräberfelder und deren Grabbeigaben sowie der typischen Namensendung "- heim" in die alemannisch-fränkische Zeit datieren und wird auf einen Sippenhäuptling namens Autmar (Otmar) zurückgeführt.

Erstmals schriftlich erwähnt wird Ottmarsheim im Jahre 766 im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) anlässlich einer Güterschenkung an das Kloster Lorsch – damals noch unter der gängigen Namensschreibweise "Autmarsheim". Weitere Überlassungen an das Reichskloster sind bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts belegt, danach verlieren sich die schriftlichen Quellen für fast 400 Jahre. Vermutlich entstand bereits um das Jahr 800 eine erste Kirche, die dem Heiligen Hippolyt geweiht und dem Bistum Würzburg unterstellt war. Allerdings wird ein Pfarrer erst 1244 ausdrücklich erwähnt. Zu den in Ottmarsheim nachweislich begüterten geistlichen Grundherren gehörten seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts das Chorherrenstift Backnang und das Chorfrauenstift Oberstenfeld.

Eng mit der Geschichte des Ortes verbunden ist das Reichsrittergeschlecht derer von und zu Liebenstein, deren Hauptsitz sich ab dem 13. Jahrhundert auf der nahe gelegenen Burg Liebenstein befand. Erstmals erwähnt werden die Liebensteiner als Herren von Ottmarsheim im 14. Jahrhundert. Da wiederum die Herren von Liebenstein Lehensträger der Grafen von Württemberg waren, gehörte Ottmarsheim ebenso zum württembergischen Lehensverband, nahm jedoch innerhalb dessen als Bestandteil der Herrschaft Liebenstein eine Sonderstellung ein. So forderten die Württemberger weder Rechte noch Steuern; sämtliche Gewalt oblag den Liebensteinern, den uneingeschränkten Herren von Ottmarsheim. Ihr Haus zerfiel im 14. Jahrhundert in mehrere Linien, von denen sich bis in das 17. Jahrhundert abwechselnd zwei bzw. drei Familien Ottmarsheim teilten. Der für die Ortsgeschichte bekannteste Vertreter war Bernhard der Ältere von Liebenstein aus der Ottmarsheimer Linie, dem das halbe Dorf bereits als minderjährigen Knaben (1532) übertragen wurde. Er ließ um das Jahr 1564 in direkter Nähe zum Kirchhof ein Schloss errichten, dass er fortan als Wohnsitz nutzte. Die andere Hälfte des Dorfes teilten sich die Linien des oberen und des unteren Schlosses Liebenstein. Nach Bernhards Tod 1583 erlosch die Ottmarsheimer Linie. Sein Leichnam wurde in der Ottmarsheimer Kirche beigesetzt und der Besitz an die beiden anderen Linien verteilt.

Die Bevölkerung lebte stets vornehmlich vom Ackerbau und von der Viehzucht. Auch der Weinbau dürfte eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, so besaß Ottmarsheim lange Zeit ein eigenes Weinmaß: die "Ottmarsheimer Trübe Eych". Zum wertvollsten Besitz gehörte zweifellos der Gemeindewald, der vermutlich ein Viertel der Ottmarsheimer Markung umfasste. Nur vereinzelte Gebäude haben sich im Kern aus dieser Zeit erhalten. Zu diesen gehört die Pfarrkirche St. Hippolyt, die im frühen 16. Jahrhundert über einer älteren Vorgängerkirche erbaut wurde und deren unverputzter Westturm mit der Jahreszahl 1502 bezeichnet ist. Überlieferungen zufolge bestand bereits im Spätmittelalter eine Wallfahrt mit Jahrmarkt zum Heiligen Hippolyt. Das erstmals 1571 erwähnte Rathaus existiert heute nicht mehr. Vermutlich handelte es sich dabei um den Vorgängerbau des heutigen, 1765 errichteten Rathauses.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) sorgte auch hier für tiefgreifende Veränderungen: Durchzüge und Einquartierungen wechselten einander ab, Häuser und Höfe wurden geplündert und verwüstet. Auch das Schloss ging 1634 in Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Zudem forderten Missernten, gefolgt von Hunger und Seuchen, zahlreiche Todesopfer. Der Ort galt viele Jahre lang als unbewohnt, nachdem die schutzsuchende Bevölkerung zwischen 1634 und 1642 nach Liebenstein geflohen war. Nur wenige Jahrzehnte später hatte ganz Württemberg während des Pfälzer Erbfolgekriegs unter den Franzoseneinfällen zu leiden. Die Söldnertrupps Ludwigs XIV. durchzogen zwischen 1688 und 1697 mehrfach das Land und verschonten auch das unbefestigte Ottmarsheim nicht. Zahlreiche Gebäude, vor allem die Kirche und das Pfarrhaus wurden 1693 stark beschädigt, und auch die zu leistenden Kriegslasten drückten schwer.

Bereits in den 1670er Jahren gelangte Ottmarsheim an das Haus Württemberg: Zunächst verkaufte 1673 Philipp Albrecht von Liebenstein seine Hälfte an der Herrschaft Liebenstein, zu der unter anderem das obere Schloss und halb Ottmarsheim gehörten, an Herzog Eberhard III. von Württemberg. Fünf Jahre später veräußerte auch Philipp Konrad von Liebenstein seine Hälfte mit dem unteren Schloss einschließlich seines Ottmarsheimer Anteils an die Württemberger. Sämtliche Besitzungen wurden der württembergischen Kammerschreiberei einverleibt und gingen in das Familieneigentum des herzoglichen Hauses über. Für deren Verwaltung bestand bis 1806/07 ein eigenes Amt - die Stabskellerei Liebenstein.

1807 wurde Ottmarsheim zunächst dem Oberamt Beilstein und nach dessen Auflösung 1810 dem Oberamt Marbach inkorporiert, wo es bis zum Übergang an den neu geschaffenen Landkreis Ludwigsburg (1938) verblieb. Vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Dorf mehrere Missernten zu beklagen, doch konnte sich das Gemeindeleben im Verlauf der nächsten Generationen ungestört weiterentwickeln: Neben dem Ausbau des Straßen- und Wegenetzes wurde eine Kinderschule (1903) errichtet, Vereine und Genossenschaften gegründet, zahlreiche, für das Gemeinwohl wichtige Gebäude entweder neu errichtet, instandgesetzt oder umgebaut. Die Einführung moderner Kommunikationsmittel erleichterte das Zusammenleben ebenso wie die Bereitstellung elektrischer Energie (1911/12). Und auch der Bau einer Wasserleitung trug zur erheblichen Verbesserung der Versorgung bei (1927).

Überschattet wurde das Leben der Dorfgemeinschaft von den weltpolitischen Ereignissen der Jahre 1914 bis 1918. Der Verlust an Menschenleben wog schwer – es wurden 32 gefallene Soldaten betrauert. Während des Zweiten Weltkriegs fielen 53 Dorfbewohner, 6 gelten seither als vermisst. Zwar wurde Ottmarsheim gegen Ende des Krieges in die Kampfhandlungen eingebunden, jedoch überstand der Ort die Auseinandersetzungen, abgesehen von zwei zivilen Opfern, vergleichsweise glimpflich.

1971 wurde Ottmarsheim im Zuge der Kommunalreform nach vorheriger Bürgerabstimmung nach Besigheim eingemeindet. Es war die erste "kommunale Eheschließung" im damaligen Landkreis Ludwigsburg.

Heute ist Ottmarsheim ein prosperierender Teilort Besigheims, der sich nicht nur einer stetig wachsenden Bevölkerungszahl erfreut, sondern auch seine dörfliche Struktur beibehalten hat und stolz sein Brauchtum pflegt.

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